Syrer in Deutschland: Ihre Körper sind hier… doch ihre Seelen hängen an der Heimat

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Mehr als ein Jahrzehnt nach der Ankunft der Syrer in Deutschland und trotz der Befreiung ihres Landes bleiben die Wunden von Krieg, Vertreibung und Exil in den Seelen derjenigen offen, die älter als 65 Jahre sind.

Fünf beispielhafte Persönlichkeiten tragen Erinnerungen an Häuser mit sich, aus denen sie gewaltsam vertrieben wurden, an geliebte Menschen, die sie verloren haben, und an Träume, die in einem Moment schmerzhaften Herausgerissenseins aus Raum und Zeit abrupt endeten.

Zwischen der materiellen Sicherheit in Deutschland und der tiefen Sehnsucht nach der Heimat wird jeder Tag zu einem stillen Konflikt zwischen Verstand und Herz: bei den Kindern und Enkeln zu bleiben, wo Stabilität und Versorgung gewährleistet sind, oder zu den Wurzeln zurückzukehren, wo Alter, Erinnerungen und die ursprüngliche Identität liegen.

Eine Reportage von Ninar Press beleuchtet die Tiefen dieser menschlichen Erfahrung und zeigt, wie die Heimat trotz der Fremde im Inneren lebendig bleibt und wie die Betroffenen diesen täglichen Widerspruch leben – zwischen einem Körper in Deutschland und einer Seele in Syrien, zwischen der Erinnerung an die Vergangenheit und den Anforderungen der Gegenwart und Zukunft.

Sehnsucht und Identität: Eine Erinnerung, die nicht altert

Die Sehnsucht nach der Heimat ist kein vorübergehendes Gefühl, sondern eine lebendige Erinnerung, die den Menschen mit seinem Land, seinen Wurzeln und seinen Werten verbindet und mit dem Alter stärker wird.

Mohammad Al-Fathi (76) fasst dies so zusammen:

„Wir Älteren – unser Blut, unsere Seele und all unsere Erinnerungen sind dort. Unsere Körper sind hier, aber unsere Gefühle sind vollständig in Syrien, als hätten sie es nie verlassen… Am meisten zieht mich zurück, eine Brücke für meine Kinder und Enkel zur Heimat zu sein.“

Ähnlich äußert sich Khalaf Al-Samir (71):

„Die Sehnsucht nach der Heimat verlässt uns nie… Mein Körper ist erschöpft, und das Haus, das ich verlassen habe, ist zerstört.“

Maysar Al-Adim (65) verbindet die Rückkehr mit seiner gesamten Lebensgeschichte:

„Seit der Befreiung Syriens habe ich beschlossen zurückzukehren… Dort liegt unsere Lebensgeschichte, unsere Häuser und das Erbe unserer Familien… Das kann man nicht vergessen.“

Mahmoud Al-Abdullah (68) sagt:

„Nach der Befreiung Syriens fühlt man sich wie neu geboren. Der Mensch bleibt seiner Heimat verbunden, egal wie weit er sich entfernt.“

Der pensionierte Brigadegeneral Daham Al-Fandi (74) betont:

„Die Heimat lebt im Herzen. Identität ist nicht nur an einen Ort gebunden, sondern an Werte und Kultur.“

Fremde und Sicherheit: Das Paradox unvollständiger Stabilität

Die Älteren leugnen nicht die Sicherheit und die umfassenden Dienstleistungen in Deutschland.

Mohammad Al-Fathi sagt:

„Das Leben in Deutschland ist wunderbar: ohne Angst, ohne Demütigung, alles ist abgesichert – von medizinischer Versorgung bis hin zu Wohnen und Bildung.“

Mahmoud Al-Abdullah stimmt zu:

„Die Sicherheit hier ist ausgezeichnet, ebenso die Versorgung.“

Auch Khalaf Al-Samir schätzt die Unterstützung der deutschen Regierung:

„Ein würdiges Leben, Sicherheit und Ruhe nach Angst und dem Verlust vieler geliebter Menschen.“

Doch diese Sicherheit kann die emotionale Fremde und den Verlust nicht ersetzen.

Al-Fathi beschreibt diesen Widerspruch:

„Die Straße ist nicht deine Straße, die Gebäude sind nicht deine, die Menschen sind nicht deine… selbst die Luft fühlt sich nicht wie deine an.“

Mahmoud Al-Abdullah fügt hinzu:

„Wir fühlen uns fremd, als wären wir schwere Gäste… wir sitzen allein zu Hause, und das ist ein belastendes Gefühl.“

Maysar Al-Adim weist auf die Belastung des Alltags hin:

„Ich bin krank, kann nicht arbeiten und spreche die Sprache nicht. Ich muss viele Termine einhalten und brauche immer einen Dolmetscher – das verursacht dauerhaften psychischen Druck.“

Die aufgeschobene Rückkehr: Zwischen Familie, Verlust und Hoffnung

Trotz der Risiken vermittelt das Leben in Syrien ein Gefühl von Freiheit und Selbstständigkeit im Alltag.

Maysar Al-Adim sagt:

„In Syrien ist alles einfacher: Essen, Gesundheit, der Umgang mit Ärzten… Selbst einfache Arbeit ist möglich, und das gibt seelische Ruhe.“

Doch die Realität steht dem entgegen, wie Khalaf Al-Samir erklärt:

„Die finanziellen Hindernisse und das Fehlen medizinischer Versorgung machen die Rückkehr eher zu einem Risiko als zu einem Traum.“

Die Familie bleibt der schwierigste Faktor bei der Entscheidung.

Mohammad Al-Fathi sagt:

„Der wichtigste Grund zu bleiben ist die Familie. Eine Rückkehr bedeutet, sich von ihnen zu entfernen, und sie können wegen Studium, Arbeit und Lebensumständen nicht in Syrien leben.“

Maysar Al-Adim bestätigt:

„Die Stabilität unserer Kinder hier macht Syrien nur zu einem Besuchsort, nicht mehr.“

Auch der Verlust von Häusern und Angehörigen erschwert die Entscheidung:

Mahmoud Al-Abdullah:

„Leider gibt es kein Haus, zu dem wir zurückkehren können, und das, was wir verloren haben, ist nicht ersetzbar.“

Khalaf Al-Samir:

„Ich habe die Mühe von vierzig Jahren zurückgelassen – übrig blieb nur ein zerstörtes Haus und verfallene Möbel.“

Dennoch bleibt Hoffnung – unter realistischen Bedingungen.

Mohammad Al-Fathi sagt:

„Wenn in Syrien 50–60 % Stabilität erreicht werden, kehren wir sofort zurück.“

Daham Al-Fandi sieht auch aus der Ferne eine Rolle:

„Auch aus Deutschland können wir unserem Land dienen – durch Unterstützung unserer Familien und durch Beteiligung an Entwicklungsprojekten.“

Die Heimat… eine Entscheidung ohne Abschluss:

Zwischen relativer Sicherheit in Deutschland und tiefer Sehnsucht nach der Heimat zeigen die Stimmen der Älteren, dass die Rückkehr nicht nur eine politische oder wirtschaftliche Entscheidung ist, sondern eine existenzielle Erfahrung, die Identität, Familie und den Sinn des Lebens berührt.

Die Frage bleibt offen:

Wird die syrische Regierung praktische Schritte unternehmen, um die Rückkehr älterer Menschen zu erleichtern und ihre Häuser sowie ihre materiellen und sozialen Rechte zu sichern?

Oder bleibt Syrien – trotz Befreiung – eher eine Heimat in der Erinnerung als in der Realität?

Abschließend fasst Mahmoud Al-Abdullah es als Vermächtnis einer Generation zusammen:

„Wir kehren in unser Land zurück – zu unserem Glauben, zu unserer Anbetung, zu unseren Menschen und zu unserer Erde… und setzen unseren Weg fort.

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